Verona erwacht aus dem Lockdown

Die römische Ponte Pietra über dem Fluß Etsch in der Altstadt von Verona vor mediterraner Landschaft in der Morgensonne, Venetien, Italien

Nach den monatelagen Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erwacht in Verona das öffentliche Leben. In Italien ware das Verlassen der eigenen Wohnung nur auf wenige Ausnahmen, d.h. triftige Gründe wie Arbeit, Einkaufen usw., eingeschränkt. Daher war es veständlich, wenn es die Menschen nach Aufhebung der Maßnahmen nach draußen zieht. Insbesondere in Italien, wo das Gespräch und der Austausch auf Straßen und Plätzen zur Lebensweise dazugehört.

Außenansicht eines Salumeria Feinkost Geschäfts in der Altstadt von VeronaWir hatten einen Platz auf dem zentrumsnahen, aber doch ruhigen Campingplatz hinter dem Schloss San Pietro gebucht. Der Platz eröffnete auch erst an diesem Tag die Saison. Dementsprechend waren nur wenige Gäste auf dem Platz, insgesamt sechs Parzellen. Die Betreiber hatten auch noch keine Reservierungen für die Sommersaison und hofften, dass doch noch ausreichend Gäste kurzfristig anreisen. Auch in der ganzen Altstadt war das Fehlen vor allem der internationalen Reisenden deutlich zu sehen. Die Opern und Konzerte in der Arena, in den früheren Jahren ein Publikumsmagnet, waren für den gesamten Sommer abgesagt.

Touristen erfrischen sich an einem Brunnen am Castel San Pietro in der Altstadt von Verona, Venetien, ItalienIn den Restaurants an der Piazza Bra oder Piazza delle Erbe waren auch abends noch viele Tische frei, obwohl diese schon in kleinerer Anzahl und mit größeren Abständen gemäß der Hygieneregeln draußen standen. Viele Geschäfte versuchten, nach Monaten ohne Umsätzen, mit Rabatten die Lagerbestände der Monate des Lockdowns noch abzuverkaufen. Zu keiner Zeit unserer Reise, weder am Gardasee noch hier in Verona, hatten wir das Gefühl einer erhöhten Ansteckungsgefahr. Überall standen an den Eingängen zu Geschäften, Cafés und Restaurants wie auch öffentlichen Einrichtungen Desinfektionsmittel für die Hände bereit. Die Menschen nutzen diese auch diszipliniert. Viele trugen auch in der Öffentlichkeit Atemschutzmasken. 

Graffiti auf Backsteinmauer und Müll und Kothaufen auf dem Boden, Verona, ItalienMöglicherweise auch gerade deswegen, weil Norditalien zu Beginn mit vielen Toten und schwer erkrankten stärker von Corona betroffen war. Die Stimmung war also besonders verglichen mit früheren Besuchen. Nicht angespannt oder negativ, doch die frühere Gelassenheit und Unbekümmertheit eines Sommertages ist noch nicht zurückgekehrt. Die Sehenswürdigkeiten und mediterrane Atmosphäre der Stadt zeigten sich davon unbeeindruckt. Sie haben in jahrhunderten bis gar jahrtausenden Jahren doch schon viel wechselvolle Geschichte überstanden – auch Krankheitswellen wie Pest und Cholera. 

Zinnen und Wehrgänge der Brücke der Burg der Skaliger über den Fluß Etsch in der Altstadt von Verona, Venetien, ItalienSo verbrachte ich einmal die frühen Morgenstunden am Ufer der Etsch mit der Betrachtung der Ponte Pietra. Tags darauf genoß ich den Sonnenaufgang bei einem Spaziergang hinauf zum Heiligtum der Lieben Frau von Lourdes. Die Aussichtsterasse beim Schloss San Pietro ist hingegen vor allem zum Sonnenuntergang beliebt. Die Brücke und Mauer des Skaligerkastells zeigen schweigend in den blauen Himmel, sie erzählen uns heute nichts über ihre Geschichte (das Museum hat nämlich geschlossen). Die Zinnen in Form eines Schwalbenschwanzes, sind ein Markenzeichen der Festungsanlagen der ehemals mächtigen Herrscherfamilie der Skaliger. Sie begegneten uns immer wieder auf unserer Reise in der Region, z.B. in Malcesine, Torri del Benaco oder Sirmione am Gardasee.

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