Aufstieg auf das Becherhaus (3.195 m)

Das Becherhaus in den Stubaier Alpen ist auf 3.195 m die höchstgelegene Schutzhütte Südtirols.

Neben Berggipfeln, Tälern oder Bergseen gibt es in den Alpen auch zahlreiche Berghütten, die für sich selbst schon als Ziel einer Wanderung oder Bergtour lohnenswert sind. Das Becherhaus in den Stubaier Alpen, die höchstgelegene Schutzhütte Südtirols, gehört mit seiner exponierten Lage auf dem Bechergipfel und dem 360-Grad Rundblick sicher dazu.

Marienkapelle auf dem Becherhaus, Stubaier Alpen, Südtirol, ItalienDas Becherhaus liefert eine facettenreiche Geschichte. Es wurde 1894, damals noch Teil des Kaiserreichs, als Kaiserin-Elisabeth-Schutzhaus eröffnet. Die Kaiserin Elisabeth sollte sogar zur Eröffnung zur Hütte aufsteigen. Dazu kam es dann leider nicht, denn sie wurde kurz davor ermordet. Die eigene Kapelle in der Hütte ist eines der höchstgelegenen Marienheiligtümer Italiens. Darüber atmet das Haus eine besondere Atmosphäre durch die Persönlichkeit, das Engagement und den Enthusiasmus des Hüttenwirts Erich Pichler und seiner Familie. Ein weiteres spannendes Detail ist seine familiäre Abstammung von Andreas Hofer, dem österreichischen Freiheitskämpfer, der auch aus dem Passeiertal stammt. Über den Hüttenwirt und seine besondere Beziehung zu dem Haus und den Bergen gibt es zahlreiche lesenswerte Artikel, von GEO Saison (2003) über Welt, Spiegel Online (Link + vier weitere Bilder) und vielen anderen Veröffentlichungen.

Aufstieg zum Becherhaus aus dem Ridnauntal, Südtirol, ItalienIn den letzten Jahren habe ich verstärkt mit Sturzangst in den Bergen zu kämpfen, selbst objektiv risikoarme, aber ausgesetzte Wege liessen mich umkehren oder verleiteten den Spass am Wandern. Daher haben mich die Tourenbeschreibungen und beeindruckende Bilder dieser Hochgebirgshütte zweifeln lassen, ob ich Freude an dieser Tour haben werden. Da ich jedoch in einer Gruppe unterwegs war, die Situation klar thematisiert hatte und alle Teilnehmer mich unterstützen wollten, gab mir das nötige Sicherheit. Dennoch hatte ich mir die Teplitzer Hütte (2.586 m) auf dem Aufstiegsweg aus dem Ridnauntal als Pflichtziel gesetzt, das Becherhaus war dann die Kür.

Mann spielt Alphorn vor der Kulisse des Übeltalferner, Ridnauntal, Südtirol, ItalienDer Weg vom Bergbaumuseum in Maiern führt zuerst durch die sehenswerte Burkhardsklamm entlang zahlreicher Wasserfälle auf die Hochfläche der Aglsbodenalm. An deren Ende steigt der Weg in zahlreichen Serpentinen wieder steiler an und führt schliesslich in ein von Gletschern geformtes enges Tal, wo man erstmals das Ziel der Wanderung auf dem Gipfel des Becher erkennen kann. Davor sind das Etappenziel Teplitzer Hütte und bald auch das Grohmannhütte zu sehen. Beim Aufstieg wundere ich mich über einen Mann mit einem ungewöhnlich geformten, L-Förmigen Rucksack. Ich vermutete ein Musikinstrument, aber für eine Tuba war der Durchmesser zu klein. Vielleicht auch ein Gewehr, ein Jäger wäre hier nicht unüblich. So falsch sollte ich später mit einem Instrument nicht liegen, als er später auf der Teplitzer Hütte ein Alphorn zusammenbaute und vor der Kulisse des Übeltalferners musizierte.

Vogelsee vor Botzer und Übeltalferner, Ridnauntal, Südtirol, ItalienNach einem kräftigenden Mittagessen und ausgeruhten Beinen fühlte ich mich sicher und mit genügend Kraft genug für den weiteren Weg zum Becherhaus. Über Geröll, Felsen und erste Schneefelder ging es langsam bergauf, unterbrochen von einigen seilversicherten Steilstufen. Bald liegt der Vogelsee unter uns und der Schlussakkord, der letzte Gipfelanstieg zum Becherhaus, vor uns.

Letzter Anstieg zum Becherhaus, Ridnauntal, Südtirol, ItalienDer Anblick der etwas ausgesetzteren Wegführung, bei der alle kritischen Stellen aber ausreichend mit Seilen gesichert sind,  liess mich nochmals zweifeln, doch schliesslich überwand ich mein Zögern und erreichte nach 7 Stunden Gehzeit das gesetzte Ziel Becherhaus auf 3.195 m Höhe. Dem anstrengenden, aber sehenswerten Aufstieg sollte noch eine beeindruckende sternenübersäte Nacht und weiterer ereignisreicher Tag in den Bergen folgen.

 

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  1. […] Aufstieg hatten wir hier noch eine herrliche Ruhe mit musikalischer Untermalung durch einen Alphornbläser. Doch auch die Begegnung mit den Piloten und dem Spektakel der kurzen Landungen war eine neue […]

  2. […] einer sternenübersäten und daher kurzen Nacht warte ich in der frostigen Morgendämmerung auf dem Becherhaus auf den Sonnenaufgang. Über dem kalten Gletscherflächen des Übeltalferners bildete sich ein […]

  3. […] dem schon beeindruckenden Weg beim Aufstieg zum Becherhaus erholte ich mich erst einmal mit den anderen auf der Sonnenterasse der Hütte und genoss den weiten […]

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