Eguisheim – Heimat der Störche und eines Papstes
Eguisheim bildete den Abschluss unserer Reise entlang der frühlingshaften Weinstraße im südlichen Elsass. Auch in diesem Ort begrüßte uns wieder das vertraute Bild des Elsass: verwinkelte Gassen, üppig blühende Blumen in Fensterkästen, fein verziertes Fachwerk an Fassaden, die in bunten oder warmen Erdtönen leuchteten – wie schon in Ribeauvillé, Riquewihr, Colmar oder Kaysersberg. Und doch war Eguisheim anders.
Eguisheim kreist im wahrsten Sinne des Wortes um sich selbst. Drei konzentrische, ringförmige Gassen umschließen den historischen Ortskern wie Jahresringe einen alten Baum. In der Mitte liegt der zentrale Platz – ein Ensemble aus achteckigem Schloss, der barocken St. Peter und Paul-Kirche und dem Brunnen mit dem Denkmal Papst Leos IX, der 1002 hier geboren wurde. Als Bruno von Egisheim-Dagsburg entstammte er dem lokalen Adelsgeschlecht, das damals die südlichen Vogesen beherrschte. 1049 wurde er Papst. Heute wacht seine Statue mit segnender Geste über das Herz seines Geburtsortes.
Doch nicht nur geistliche Größen kreisen über Eguisheim – auch ein anderer, leibhaftiger Glücksbringer hat sich hier niedergelassen: der Storch. Auf dem Schloss und der Kirche zählten wir allein vier Nester. Wenn man die Augen offen hält, entdeckt man noch viele mehr: auf Kaminen, Dächern, Türmen, ja selbst auf eigens errichteten Plattformen. Im Ort befindet sich auch eine kleine Storchenschutzstation, die junge Störche auswildert. Das rhythmische Klappern der langen Schnäbel ist nicht nur hier zu hören – es gehört zum akustischen Erbe des Elsass, wie der Duft von Flammkuchen und der Klang von Mundart.
Die Rückkehr der Störche ist eine Erfolgsgeschichte: In den 1970er Jahren war der elsässische Weißstorch fast ausgestorben, doch gezielte Schutzprogramme, Nesthilfen und Aufzuchtstationen wie die in Eguisheim ließen seine Zahl wieder steigen. Heute gilt er nicht nur als Wappenvogel der Region, sondern als lebendiges Symbol für das Gleichgewicht zwischen Mensch, Natur und Tradition.
Hoch über dem Ort, gleichsam wie Wächter aus der Vergangenheit, erheben sich die Burgruinen der drei Exen – Wahlenburg, Dagsburg und Weckmund. Ihre kantigen Silhouetten zeichnen sich scharf gegen die organische Struktur des Waldes. Die Gruppe auf dem Schlossberg ist über eine steile Straße erreichbar oder – viel schöner – durch einen Wanderweg, der sich durch Weinreben und Wald schlängelt. Oben angekommen, wird man mit einem Ausblick belohnt, der die strategische Lage greifbar macht: das flache Rheintal im Osten und die sanften Hügel der Vogesen im Rücken.
Eguisheim – das war nochmals das Elsass in einer konzentrierten Form: ein Ort, der Geschichte atmet, mit Naturerlebnissen aufwartet und den Besucher gastlich und einladend empfängt wie ein alter Freund.








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[…] wir die letzte Etappe der Reise entlang der elsässischen Weinstraße in Eguisheim abschlossen, fuhren wir von Riquewihr ins nahegelegene Colmar, das immer im Schatten von Straßburg […]
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