Feuerwache auf dem Monte Ferru

Über dem südlichen Ende der fruchtbaren Ebene von Barisardo erhebt sich das freistehende Massiv des Monte Ferru. Der felsige Gipfel liegt auf 875 m Höhe über dem türkisfarbenen Meer und verspricht durch seine solitäre Lage einen weiten Blick über die gesamte Region Ogliastra an der Ostküste von Sardinien, vom langen Planargia-Strand über Arbatax und bis zur Hochebene Su Golgo bei Baunei, dem Supramonte-Gebirge und den Tafelbergen im Hinterland bei Ulássai. Die östliche Ausläufer reichen bis an die Küste und bilden eine dramatische Kulisse für den grau-schwarzen Kiesstrand bei Marina di Gairo. Von meinem Quartier bei Torre di Bari hatte ich gelegentlich einen Lichtreflex auf dem Gipfel beobachtet, der mich neugierig werden liess, daher lockte mich die Aussicht auf eine gute Aussicht und neue Entdeckungen.

Eine zu Beginn noch asphaltierte Piste führt von der Verbindungsstrasse zwischen Museddu und Tertenia in die nördlichen, bewaldeten Bergflanken und windet sich vorbei an Picknickplätzen auf eine Hochebene mit ein paar Gebäuden und Viehweiden. Dort liess ich das Auto stehen, um der nun deutlich ausgewaschenen und steinigen Piste in Richtung Gipfel zu folgen. An einigen sehr steilen Stellen wurden die Fahrspuren mit Beton verstärkt, den Sinn der Massnahme begriff ich zum Zeitpunkt des Aufstiegs noch nicht. Als ich die letzten Kehre vor den Felsen im Gipfelbereich hinter mir lasse, blicke ich erstaunt auf einen alten FIAT Panda mit Allradantrieb und einen Turm, gemauert aus Natursteinen und somit gut getarnt. Mir stellte sich die Frage, wer und warum hier hochfährt, nach einer Berghütte sah das Gebäude (leider) nicht aus, auch eine militäriche Nutzung hielt ich wegen fehlender Sendeanlagen für wenig plausibel.

Ich ging eine Treppe nach oben und blickte dann durch ein Fenster in einen Innenraum, in dem ein Mann an einem Tisch vor dem Computer saß und mich freundlich sowie ein wenig überrascht ansieht. Es stellt sich heraus, dass diese hervorragende Lage auf dem Berg für einen Feuerwachtturm gewählt wurde, um die im Sommer drohenden Waldbrände frühzeitig zu erkennen. Er sei einer der Wachen, die in der Sommersaison jeweils für eine Woche imWachtturm auf dem Monte Ferru wohnen und mit dem Fernglas nach Rauschschwaden von möglichen Feuern suchen.Viele Besucher sähe er hier oben nicht, obwohl der Weg schön zu wandern oder für eine Tour dem Mountainbike geeignet sei, freute sich aber sichtlich über die Abwechslung. Ich verabschiedete mich nach einer kurzen Rast und turnte noch etwas über die Felsen, bevor ich zufrieden über die neuen Erfahrungen den Rückweg antrat.

Mehr Bilder in der Galerie ‘Sardinien’.

4 Kommentare

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] – von leuchtend roten oder rosafarbenen Porhpyrklippen und der steilen Felsabbrüchen des Monte Ferru eingerahmt wird. Marina di Gairo liegt südlich des Planargia-Strands bei Barisardo und ist über […]

  2. […] aus dem 19. Jahrhundert. In dem halb verfallenen Turm schlief ein Mann, wohl eine Feuerwache (so etwas habe ich auch schon in Sardinien erlebt). Der Plan war, den Sonnenaufgang dort oben zu verbringen. Der Aufstieg ist kurz, rund eine Stunde. […]

  3. […] die salzige Gischt über den von der Sonne aufgeheizten Planargia-Strand, wohingegen über dem Monte Ferru die Cumulus-Wolken, die eben noch einen warmen Sommerschauer auf mich herabregnen liessen in der […]

  4. […] noch zu steigern – von leuchtend roten Porhpyrklippen und der steilen Felsabbrüchen des Monte Ferru eingerahmt wird. Marina di Gairo liegt südlich des Planargia-Strands bei Barisardo und ist über […]

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.