Fensterputzer – damit Wien glänzt


Bei meinem Aufenthalt in Wien fiel auf, dass an diesem ersten sonnigen Tag nach einer regnerischen Kaltfront plötzlich überall Fensterputzer tätig waren. Ich beobachtete das morgens an den modernen Hochhäusern rund um den Hauptbahnhof, später an den historischen Fassaden des Oberen Belvedere und schließlich an vielen Geschäften und Cafés der Innenstadt. Menschen, welche an der Grenze zwischen Innen- und Außenwelt für mehr Glanz und Klarheit sorgen sowie den Räumen ihr Licht zurückgeben.
Während unten der Berufsverkehr stockte, hing einige Stockwerke höher eine andere Art von Alltagshelden in den Seilen: Industriekletterer an den gläsernen Hochhausfassaden nahe des Hauptbahnhofs reinigen die Fenster. Wie urbane Bergsteiger bewegten sie sich scheinbar schwerelos mehrere Stockwerke über der Straße entlang der spiegelnden Gebäudehülle.

Während Touristen die Fassaden fotografieren, sorgen andere dafür, dass diese Fassaden überhaupt erst strahlen

Viele moderne Glasfassaden haben zwar spezielle Beschichtungen gegen Schmutz und Wasserflecken, doch die Mischung aus Blütenstaub, Saharastaub und Feinstaub blieb auf den Glasflächen in matten Schlieren zurück, die im ersten Sonnenlicht sofort sichtbar wurden. Sonnige Tage nach Regenperioden sind daher ideal, weil dann die Rückstände besonders sichtbar werden.Fensterputzer an der Außenfassade des Museums "Oberes Belvedere" in Wien, Österreich

Wenige Stunden später zeigte sich am Schloss und Kunstmuseum „Oberes Belvedere“ ein ganz anderes Bild: Dort standen die Fensterputzer mit Leitern und Teleskopstangen an den barocken Fassaden des Schlosses. Zwischen Stuck, Sandstein und historischen Fenstern wirkte die Arbeit beinahe zeitlos – als hätte sich hier seit Jahrhunderten kaum etwas verändert.

Gerade dieser Kontrast machte die Beobachtung interessant: moderne Glasarchitektur, gereinigt von Industriekletterern im Seil, und wenige Meter weiter klassische Arbeit vom Boden aus an einem der bedeutendsten Barockbauten Wiens. Zwei völlig unterschiedliche Arbeitswelten – und doch mit demselben Ziel: die Stadt im Sonnenlicht wieder glänzen zu lassen.

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