Ein deutscher Wertstoffhof
Vorweg einmal die Definition: ein Wertstoffhof (auch Recyclinghof genannt) ist eine kommunale oder private Sammelstelle für Abfälle und Materialien, die nicht in die normale Hausmülltonne gehören oder zu groß dafür sind. Dort können Bürger verschiedene Stoffe abgeben, um sie dem Recyclingkreislauf zuzuführen. Aus dem Ausland blickt man gerne verwundert auf die Beziehung der Deutschen zu ihrem Müll. Mir stellte sich die Frage ob es eine „Obsession“ der Deutschen mit der Mülltrennung gibt?
Das Klischee der deutschen Müllbesessenheit hat einen realen Kern, der tief in der Kultur verwurzelt ist. Deutschland verschmutzt die Umwelt und das Klima zwar weiterhin stärker als es sollte, aber es erreichte dabei auch kleine Verbesserungen: die Deutschen sind immerhin Weltmeister im Recycling. Deutschland erreicht regelmäßig Spitzenplätze bei den Recyclingquoten in Europa. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen halten eine gute Mülltrennung für einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Deutschland produziert im EU-Vergleich jedoch überdurchschnittlich viel Müll. Kritiker sagen deshalb, die Trennung beruhige nur das Gewissen, anstatt Müllvermeidung zu fördern.
Mülltrennung ist in Deutschland keine freiwillige Geste, sondern selbstverständlich ordentlich geregelt und durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz, Verpackungsverordnung sowie lokale Satzungen gesetzlich vorgeschrieben. Mit der Einführung der Verpackungsverordnung 1991 (der „Grüne Punkt“) wurde die Trennung von Altpapier, Glas und Verkaufsverpackungen (Gelber Sack/Tonne) für Privathaushalte zum Standard im Alltag. Für den politisch wie ökologisch korrekten Umgang mit Abfall gilt es beispielsweise zu berücksichtigen, dass es drei Arten von Verpackungstypen gibt: Transportverpackungen, Umverpackungen und Verkaufsverpackungen.
Es herrscht auch eine gewisse soziale Kontrolle. In der deutschen Gesellschaft gilt Mülltrennung oft als Zeichen von Ordnung und Umweltbewusstsein. Wer seinen Müll falsch trennt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern oft auch den Unmut der Mitbürger. Glas wird nach Farbe sortiert gesammelt, es werden Behälter für Metall, Papier, Bauchschutt, Elektroschrott bereitgestellt. Oftmals sind weiterhin Flächen für Laub, Astwerk und Gartenabfälle vorhanden. Am Wertstoffhof selbst sind es freundliche Mitarbeiter der Gemeinde, die auf die korrekte Abgabe achten. Samstags kann es dann auch schon einmal zu Warteschlangen führen, bevor man mit dem Auto dann anschliessend weiter zur Waschstraße fährt
Was für Außenstehende wie eine Obsession wirkt, ist für die meisten Deutschen eher eine Mischung aus erzogener Disziplin, Umweltschutz-Überzeugung und rechtlicher Notwendigkeit.





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